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Das ANWEIDEN von PFERDEN

Das ANWEIDEN von PFERDEN

Die Koppelzeit rückt näher – und damit auch die Frage, wie man sein Pferd langsam an frisches Gras gewöhnt und wann der richtige Zeitpunkt zum Anweiden ist. Ein behutsamer Start in die Weidesaison hilft, Verdauungsprobleme und Stoffwechselstörungen vorzubeugen.

Der richtige Zeitpunkt zum Anweiden

Viele Stall- oder Pferdebesitzer beginnen mit dem Anweiden zwischen März und Mai – abhängig von Wetterlage und Temperaturen. Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass im Frühling der Fruktangehalt im Gras häufig besonders hoch ist. 

Vor allem unter bestimmten Bedingungen lagert die Pflanze vermehrt Fruktan ein. Dazu zählen kalte Tage mit viel Sonne, Frost oder auch Trockenheit bei warmen Temperaturen. 

Günstiger zum Anweiden sind daher eher trübe, regnerische Tage sowie milde Temperaturen über mehrere Tage hinweg. Unter solchen Bedingungen kann der Fruktangehalt im Gras sinken. 

Auch die Grasart beeinflusst den Fruktangehalt. Beispiele für fruktanärmere Gräser sind Rotschwingel, Knaulgras und Wiesenlieschgras. Fruktanreicher können dagegen Wiesenschwingel und Deutsches Weidegras sein. 

Da der Fruktangehalt im Gras stark schwanken kann, orientieren sich viele Pferdehalter in der Praxis vor allem an Wetter, Temperaturen und Graswachstum. 

Eine genaue Bestimmung des Fruktangehalts ist grundsätzlich über eine Laboranalyse möglich. Dazu werden Grasproben entnommen und an spezialisierte Futtermittellabore eingesendet. Die Kosten liegen je nach Anbieter und Umfang der Analyse meist im Bereich von etwa 20 bis 50 Euro pro Probe. 

In der Praxis wird diese Möglichkeit jedoch eher selten genutzt, da der Fruktangehalt starken täglichen Schwankungen unterliegt und das Ergebnis nur eine Momentaufnahme darstellt. 

Dennoch kann eine Analyse in bestimmten Situationen sinnvoll sein – etwa bei sehr empfindlichen Pferden, bei bekannten Stoffwechselproblemen oder wenn wiederholt gesundheitliche Auffälligkeiten auftreten. Sie kann helfen, das Risiko besser einzuschätzen und das Weidemanagement entsprechend anzupassen. 

Für den Alltag bleibt jedoch die Orientierung an Wetter, Temperatur und Pflanzenwachstum die wichtigste Grundlage für ein sicheres Anweiden

Warum Fruktan für Pferde problematisch sein kann

Fruktan gelangt beim Pferd in den Dickdarm, wo es von Darmbakterien fermentiert wird. Dabei kann es zu einer Übersäuerung im Darm kommen. Die Darmflora wird gestört und nützliche Darmbakterien können absterben. 

In der Folge können Giftstoffe entstehen, die über die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen. Dadurch können unter anderem Leber, Nieren und das Immunsystem belastet werden. 

Mögliche Folgen sind zum Beispiel Blähungen, Kotwasser, Koliken, Durchfall, Hufrehe oder Hautprobleme. Grundsätzlich kann zu viel Fruktan bei jedem Pferd Probleme verursachen. Besonders betroffen sind jedoch häufig empfindliche oder übergewichtige Pferde sowie Tiere mit Stoffwechselproblemen oder einer bereits geschädigten Darmflora.

Weide vor dem ersten Weidegang gründlich kontrollieren

Bevor Pferde im Frühjahr erstmals wieder auf die Koppel kommen, sollte die Weide sorgfältig überprüft werden. Zunächst ist ein Blick auf die Graslänge sinnvoll. Die optimale Graslänge zum Anweiden liegt bei etwa 15 bis 20 cm. Pferde sollten außerdem nicht auf gemähten Wiesen angeweidet werden, da durch das Mähen der Schutzmechanismus der Pflanze aktiviert wird und das Gras verstärkt Fruktan speichern kann. 

Auch Giftpflanzen sollten unbedingt entfernt werden. Dazu gehören beispielsweise Jakobskreuzkraut oder Herbstzeitlose. 

Darüber hinaus sollte der Weidezaun inklusive Stromführung gründlich kontrolliert werden. Defekte Isolatoren, beschädigte Litzen oder eine schwache Stromführung können schnell dazu führen, dass Pferde ausbrechen oder sich verletzen.

Für eine sichere Weidehaltung sind stabile Pfähle, Leitermaterial wie Litzen oder Weidezaunbänder sowie Sollbruchstellen und passende Isolatoren entscheidend. Nicht zuletzt sollten auch die Tränken gründlich gereinigt und die Wasserversorgung täglich kontrolliert werden.

Darmflora langsam an frisches Gras gewöhnen

Während der Wintermonate passt sich die Darmflora der Pferde an das vorhandene Futterangebot an. Dieses besteht überwiegend aus Heu, Heulage und Stroh. Die dabei dominierenden Bakterien sind auf die Verdauung dieser faserreichen Futtermittel spezialisiert. 

Kommt nun frisches Gras hinzu, verändert sich die Zusammensetzung der Nahrung deutlich. Junges Gras enthält mehr Wasser, mehr Eiweiß und weniger Rohfaser. Deshalb muss sich die Darmflora schrittweise an diese neue Futterzusammensetzung anpassen. 

Bevor das Anweiden beginnt, sollten Pferde bereits Heu gefressen haben. Dadurch wird verhindert, dass sie sich auf der Weide überfressen. Außerdem sollte kein Kraftfutter direkt vor dem Weidegang gefüttert werden. Zusätzlich wird häufig empfohlen, das Pferd vor dem ersten Weidegang zu entwurmen. Regelmäßige Bewegung kann außerdem helfen, die Verdauung nach der Grasaufnahme zu unterstützen.

So startet man mit dem Anweiden

Zu Beginn sollte das Pferd nur kurzzeitig auf die Weide. Ein möglicher Start sind etwa 10 bis 15 Minuten Weidezeit – abhängig davon, wie empfindlich das jeweilige Pferd ist. 

Die Weidezeit kann anschließend über mehrere Wochen hinweg langsam gesteigert werden, bis die gewünschte Dauer erreicht ist. 

Wichtig ist dabei, dass das Anweiden auf einer geeigneten Wiese erfolgt und Randstreifen möglichst gemieden werden. 

Viele Pferdehalter orientieren sich dabei an festen Routinen, da eine gleichmäßige Steigerung der Weidezeit für die Verdauung besonders wichtig ist.

Warum manche Pferde eine Fressbremse tragen

Eine Fressbremse erschwert dem Pferd die Grasaufnahme, sodass es insgesamt weniger Gras aufnehmen kann. Gerade bei empfindlichen oder übergewichtigen Pferden kann eine Fressbremse daher sinnvoll sein. Sie ermöglicht es, Pferde trotz begrenzter Grasaufnahme länger auf der Weide zu lassen – etwa dann, wenn die Haltungsform keine kürzere Weidezeit zulässt. Dabei ist stets auf den richtigen Sitz der Fressbremse zu achten. Das Pferd wird am besten schrittweise daran gewöhnt. Außerdem ist regelmäßig zu kontrollieren, ob das Pferd weiterhin problemlos trinken kann.

Fazit

Eine gute Vorbereitung der Weide, eine langsame Gewöhnung an frisches Gras und die passende Ausrüstung helfen dabei, Pferde sicher in die Weidesaison zu starten. Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Maßnahme als vielmehr das Zusammenspiel aus Beobachtung, angepasstem Weidemanagement und einem schrittweisen Vorgehen.